Warum das Anfasen einen zweiten Blick verdient

Effizienzsteigerung in einer oft übersehenen Operation
Das Anfasen wird oft als sekundäre Operation behandelt.
Aus diesem Grund wird es selten überprüft.
Doch selbst kleine Verbesserungen in diesem Prozess können direkte Auswirkungen auf die Standzeit, die Zykluszeit und die allgemeine Stabilität haben.
Warum es sich lohnt, das Thema neu zu bewerten
In vielen Anwendungen wird das Anfasen immer noch mit HSS-Werkzeugen durchgeführt.
Diese Wahl wurde traditionell durch Kosten und Gewohnheit bestimmt.
Heute ändert sich die Situation.
Die Preise für HSS-Werkzeuge sind gestiegen, während auch Vollhartmetallwerkzeuge von steigenden Rohstoffkosten betroffen sind. Gleichzeitig fordern die Produktionsanforderungen weiterhin eine höhere Effizienz.
Infolgedessen wird die Lücke zwischen „gut genug“ und „optimiert“ immer deutlicher.
Wo die Grenzen auftreten
Bei dem Versuch, die Produktivität beim Anfasen zu steigern, treten typische Probleme auf:
- Grate, die eine zusätzliche Nachbearbeitung erfordern
- Vibrationen bei der Erhöhung der Vorschubgeschwindigkeiten
- Häufige Werkzeugwechsel, die die Betriebszeit beeinträchtigen
Diese Herausforderungen sind weit verbreitet, werden aber oft als Teil des Prozesses akzeptiert.
Aktuelle HSS-Werkzeugoptionen
HSS-Anfaswerkzeuge werden im Allgemeinen in zwei Formaten verwendet:
| Typ A: HSS-Vollwerkzeuge | Typ B: HSS-Wechselkopfwerkzeuge |
|---|---|
Eigenschaften:
Herausforderungen:
|
Eigenschaften:
Herausforderungen:
|
Beide Ansätze sind zuverlässig, aber ihre Schneidleistung wird durch das Werkzeugmaterial eingeschränkt.
Ein effizienterer Ansatz
Anstatt komplett auf Vollhartmetall umzustellen, ist es eine praktikablere Lösung, Hartmetall nur dort einzusetzen, wo es benötigt wird – an der Schneidkante.
TungMeister setzt dieses Konzept durch einen austauschbaren Hartmetallkopf in Kombination mit einem wiederverwendbaren Schaft um.
Dies ermöglicht eine verbesserte Schneidleistung, während der Materialverbrauch des Werkzeugs unter Kontrolle bleibt.
Auswahl des Anfaskopfes
Unterschiedliche Anfasbedingungen erfordern ein unterschiedliches Werkzeugverhalten.

- Allround-Typ, kompatibel mit einer breiten Palette von Werkstückstoffen
- Exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis, ideal für die Serienfertigung
- In vielen Werkstätten als Standard-Anfaskopf weit verbreitet
Anwendungen: Allgemeines Anfasen, Bohrungsanfasen, Produktionslinien

- Entwickelt, um den Schnittwiderstand zu reduzieren und Vibrationen zu vermeiden
- Ermöglicht eine stabile Bearbeitung auch bei langer Auskragung
- Ideal für die Bearbeitung von Werkstücken mit geringer Stabilität
- Auch zum Zentrieren (Anbohren) geeignet
Anwendungen: Vibrationsanfällige Bearbeitung, lange Auskragung, instabile Werkstücke

- Mehrschneidiges Design erhöht den Vorschub pro Umdrehung
- Ermöglicht hocheffizientes Anfasen und Entgraten von Werkstückperipherien
- Trägt zur Reduzierung der Zykluszeit bei
Anwendungen: Peripheres Anfasen, hocheffizientes Entgraten, produktivitätsorientierte Bearbeitung
Die Schaftauswahl ist entscheidend
Das modulare System ermöglicht die Auswahl des Schafts basierend auf der Anwendung:

Stahlschaft

Hartmetallschaft

Wolframschaft

VER Integrierter Spannzangentyp
| Schaft | Merkmale | Empfohlene Anwendungen |
|---|---|---|
| Stahlschaft | Standardtyp. Gutes Gleichgewicht zwischen Kosten und Leistung | Allgemeine Bearbeitung, kostenbewusste Anwendungen |
| Hartmetallschaft | Hohe Steifigkeit (hoher Elastizitätsmodul). Effektiv zur Vibrationsunterdrückung | Hochpräzise Bearbeitung, lange Auskragung |
| Wolframschaft | Kombiniert hohe Steifigkeit (hoher Elastizitätsmodul) mit Schwingungsdämpfung | Anwendungen, die eine Vibrationsunterdrückung erfordern, vibrationsanfällige Umgebungen |
| VER Integrierter Spannzangentyp | Integriert in die Spannzange, um die Auskragung zu minimieren | BT30 und andere kompakte Maschinen, Drehautomaten. Steifigkeitsorientiert |
Die Wahl der richtigen Kombination aus Kopf und Schaft hilft, den Prozess zu stabilisieren und die Konsistenz zu verbessern.
- Lange Auskragung erforderlich → Hartmetall- oder Wolframschaft verwenden, um Steifigkeit zu gewährleisten
- Vibrationen/Rattern sind ein Problem → Die Dämpfungseigenschaften des Wolframschafts sind effektiv
- Minimale Auskragung gewünscht → Integrierten Spannzangentyp VER wählen
- Allround-Einsatz → Stahlschaft hält die Kosten niedrig
Erfolgsgeschichten
Innen-Anfasen – S45C
Bei einem Setup mit langer Auskragung reduzierte der VDS-Kopf Vibrationen und verbesserte die Stabilität:
Standzeit: 5× / Effizienz: 1,6×

Anfasen – FC250 (Gusseisen)
Der Wechsel zum mehrschneidigen VCA-Design ermöglichte höhere Vorschubgeschwindigkeiten:
Standzeit: 5× / Effizienz: 8,4×

Anfasen – S45C
Der Ersatz von HSS durch eine Hartmetalllösung steigerte die Schnittgeschwindigkeit erheblich:
Standzeit: 11× / Effizienz: 4,3×

Fazit
Das Anfasen ist zwar nicht die primäre Operation, beeinflusst aber dennoch die Gesamtproduktivität.
Eine kleine Anpassung der Werkzeugstrategie kann zu messbaren Verbesserungen führen, ohne den gesamten Bearbeitungsprozess zu ändern.